Es hat sich wiederholt gezeigt, dass die Art und Weise, wie unser Gehirn funktioniert und wie es beeinflusst werden kann, erstaunlich ist. Ohne es zu merken, können uns Bilder von Lebensmitteln so sehr beeinflussen, dass wir nicht einmal unseren Geruchs- oder Geschmackssinn brauchen, um ein paar Kilo zuzunehmen.
Die Amerikaner nennen das „Food Pornography”. Wir scrollen ein paar Stunden vor dem Schlafengehen durch Instagram und Facebook und klicken auf immer mehr Essensfotos. Natürlich ist es egal, welche, welche, aber einige von ihnen erhellen unser Gehirn wie eine Discokugel, die sich vor uns dreht.

Was ist Food Porn?
Die Popularität der Gastronomie ist sowohl ein Segen als auch ein Fluch. Gute Food-Fotografie ist eher geeignet, ein Produkt, eine Dienstleistung oder das Essen selbst zu verkaufen, es geht darum, dass es funktioniert! Aber es gibt auch eine Art Sucht nach diesem Genuss, sogar virtuell. Spektakuläre, einfach zuzubereitende Rezepte wie Feta-Pasta oder der bekannte Schokoladenkuchen mit zwei Zutaten gehen im Internet viral. Sie regen sofort unsere Fantasie an, die Rezeptoren in unserem Gehirn, die unser Essverhalten und unsere Impulse auslösen, die uns in den meisten Fällen auch zum Handeln veranlassen. Wir reden hier nicht vom nächsten Tag Einkaufen, und sich dann an die Leckerei zu machen - auch wenn das oft der Fall ist -, sondern direkt in die Küche zu gehen und sofort das Verlangen zu stillen. Ein Stück Schokolade, ein Stückchen Käse oder einfach nur ein Bissen vom übrig gebliebenen gebratenen Fleisch.

Food-Fotografie, Kochshows, Kochwettbewerbe = 12 Kilo mehr!
Ein entfernter Freund war ein perfektes Beispiel für dieses Experiment. Er kaufte sich ein größeres Senderpaket für seinen neuen Fernseher und interessierte sich besonders für das Paprika-TV. Sie ist eine begeisterte Hausfrau, aber sie verbringt ihre Abende nicht mehr in der Küche, sondern in der virtuellen Küche, vor den Kochkanälen. Da es bei diesen Sendungen vor allem darum geht, den Appetit anzuregen, leckere Zutaten zu probieren und das „Essen, Genießen, Schmecken”-Gefühl zu überzeugen, ist es unmöglich, stundenlang mit einem Glas Wasser dazusitzen. Nach ein paar Monaten hat Editke also gerade 12 Kilo zugenommen.

Auf welche Bilder von Lebensmitteln reagiert das Gehirn?
Es macht einen Unterschied, welches Bild unsere Anzeigetafel aufwirft. Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology untersuchten das Verhalten und die Struktur des Gehirns und stießen dabei zufällig auf winzige Neuronen. Nahrungsmittelspezifische Neuronen, so sagen sie, leben in dem Teil des Gehirns, der Informationen aus dem Auge verarbeitet - und die Lebensmittel-Fotos sie feuern einfach. Das Forscherteam analysierte Aufnahmen von acht menschlichen Gehirnen beim Betrachten tausender verschiedener Bilder. Es stellte sich heraus, dass unsere Gehirne wissen, wann wir Nahrung sehen, ohne dass andere Sinne beteiligt sind. Wir müssen also nicht schmecken oder riechen, sondern unser Gehirn signalisiert und stimuliert uns in manchen Fällen zum Essen. Und Essen ist nicht nur ein grundlegendes Element für unser Überleben, sondern auch ein wichtiger Teil unseres sozialen Lebens, so dass wir sofort darauf reagieren.

Interessanterweise reagiert es aber eher auf gekochte, gebratene Lebensmittel, wie z. B. ein Stück Pizza mit viel Käse und saftigen Tomaten, als auf rohes Obst und Gemüse. Also weiß sogar das Gehirn, was uns besser schmeckt„. Es zeigt sich auch, dass es von unserer Kultur, unserer Sozialisation und unserem Lebensstil abhängt, was wir für nahrhafter oder schmackhafter halten und worauf unser Gehirn reagiert. Dies könnte ein guter Test für uns sein, um herauszufinden, was wir ändern müssen, damit uns der Appetit auf eine Avocado statt auf Pommes frites kommt.












