Nicht nur beim Essen boomt das Sharing-Konzept. Immer mehr Restaurants ermutigen die Menschen, ihre kulinarischen Erlebnisse nicht nur mit guten Freunden in Restaurants zu teilen, sondern sie auch bewusst mit Fremden zu teilen, was eine Reihe von Vorteilen haben kann. Erfahren Sie alles über den gemeinsamen Tisch!
Genießen bedeutet, sich die Zeit zu nehmen, bestimmte Dinge bewusst wahrzunehmen und auf sich wirken zu lassen, sei es eine Reise, ein Essen oder einfach nur ein fauler Sonntag. Aber es wird noch schöner, wenn wir diesen Moment mit anderen teilen, anstatt ihn allein zu erleben. Wie das Sprichwort sagt, ist das Glück das Einzige, das mehr wird, wenn man es teilt. Der wohl zukunftsorientierteste Koch unserer Zeit, Ferran Adria baut darauf auf, wenn er sagt: „Das größte soziale Netzwerk der Welt ist nicht Facebook, sondern Essen und Trinken”.”

GUTES ESSEN ALS GEMEINSCHAFTSERLEBNIS
Verstärkt wird dieser Trend durch die Mallorca Restaurant Brut ist. Der argentinische Chefkoch Edu Martínez wählte für das Konzept der geteilten Tische eine ungewöhnliche Anordnung. In diesem feines Essen Im Restaurant kann man nur an der Bar Platz nehmen. Das Brut hat 16 Plätze - und man kann sich nicht immer aussuchen, wer sich neben einen setzt. Intime Gespräche sind hier vielleicht nicht so einfach wie anderswo, und das gastronomische Erlebnis ist nicht mehr privat, sondern gemeinschaftlich. So sehr, dass die Gäste dank der offenen Küche nicht nur in das Essen, sondern auch in die Zubereitung einbezogen werden, was den Besuch des Restaurants zu einem vollwertigen Gemeinschaftserlebnis macht.
Chef's Table Im Brooklyn Fare, einem feinen Restaurant in New York, hat man sich ebenfalls für einen geteilten Tisch im Bar-Stil entschieden. Im Gegensatz zum Brut verfügt das Restaurant über einige separate Tische, doch die eigentliche Action findet an der riesigen Bar statt. Das ursprüngliche Konzept der geteilten Bar, das der Österreicher Max Natmessnig und der Niederländer Marco Prins beibehalten haben, bietet auch einen Blick auf die offene Küche, so dass fast zwanzig Gäste sowohl an der Bar sitzen als auch die kulinarischen Köstlichkeiten genießen können.

Wird die Schweizer Welle uns erreichen?
An der Westküste der Vereinigten Staaten haben Walter und Margarita Manzke das Konzept des Gemeinschaftstisches umgesetzt. Das République ist in einem historischen Backsteingebäude untergebracht, das 1928 von keinem Geringeren als Charlie Chaplin erbaut wurde. Es ist ein Café mit langen, geteilten Holztischen, dessen Atmosphäre eher an einen mittelalterlichen Rittersaal als an ein typisches Café erinnert. Während das Abendessen an den privaten Tischen des angrenzenden Restaurants serviert wird, ist das Café tagsüber auf Selbstbedienung ausgerichtet; die Gäste nehmen dann an einem der gemeinsamen Tische Platz, an denen niemand Berührungsängste vor “Fremden” hat. Das Café-Konzept erfreut sich großer Beliebtheit, und vor allem für das Frühstücksangebot bilden sich oft lange Warteschlangen.
Das Konzept mit dem Namen ‘m-eating table’ beweist aber auch, dass die Beliebtheit von Gemeinschaftstischen nicht nur eine Modeerscheinung der exzentrischen oder extravaganten Oberschicht ist, sondern auch eine soziale Komponente hat. A im Rahmen eines in der Schweiz lancierten Projekts Die teilnehmenden Restaurants stellen einen großen Tisch auf, der als m-eating-Tisch bezeichnet wird, was bedeutet, dass es sich um einen Gemeinschaftstisch handelt. Die Gäste werden dann gefragt, ob sie sich an den gemeinsamen Tisch setzen möchten, aber es besteht natürlich auch die Möglichkeit, unabhängig zu sitzen. Und wenn man sich für Ersteres entscheidet, gibt es dafür viele Gründe. Manche wollen einfach nicht allein sitzen, andere genießen die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, und manche finden in einer fremden Stadt neue Freunde. Und der Erfolg spricht für sich: In zehn Städten der Schweiz stehen bereits mehr als zwanzig Restaurants auf der m-eating table-Liste.

TEILEN IST IN MODE
Lässt man die gehobene Küche beiseite, so stellt man schnell fest, dass diese Art des Essens nicht neu ist. In Fast-Food-Restaurants, Zelten, Food-Courts oder Biergärten ist die Tischgemeinschaft längst akzeptiert. Auch in anderen Bereichen teilen die Menschen zunehmend Dinge mit anderen, zum Beispiel in Form von Fahrgemeinschaften oder Mietwohnungen.
Neu ist jedoch, dass die Menschen ganz bewusst teilen wollen. So erklärt der deutsche Trendforscher Pierre Nierhaus in Gastro-Trendbericht 2022/23, Das Bedürfnis nach Gemeinschaft, Beziehungen und Verbindungen ist “...uralt. Menschen sind schon immer zusammengekommen mit ihren Familien, mit Freunden und Gästen, um die Erfahrung des Essens im Freien zu teilen. Das gilt auch heute noch.” Nierhaus sagt, Essen und Trinken seien der “Klebstoff” der Gesellschaft.

VORTEILE des geteilten ASTAL-Konzepts
Insbesondere nach den vielen Schließungen, Einschränkungen und der sozialen Isolation, die durch das Coronavirus verursacht wurden, waren die Menschen buchstäblich ausgehungert nach Kontakten, um zusammenzukommen und sich mit anderen auszutauschen. Auch die Gastronomen profitieren von der Nutzung von Gemeinschaftstischen - vor allem in solch unbeständigen Zeiten. Zum einen erhöht sich dadurch die Sitzplatzkapazität; zwischen langen Tischen oder Bars, die für eine einzige Mahlzeit genutzt werden, muss kein Platz frei bleiben, der sonst mit Personal besetzt werden müsste. Zum anderen lassen sich größere Gruppen leichter platzieren, ohne dass Änderungen vorgenommen werden müssen. Und die Tatsache, dass Restaurants mit geteilten Tischen in der Regel kürzere Wartezeiten haben als solche ohne dieses Konzept, dürfte den Gästen gefallen.
Obwohl dieser Trend in unserem Land noch nicht weit verbreitet ist, können wir bereits einige Beispiele dafür sehen. Auf der Seite der gehobenen Gastronomie gibt es das Roumor von Jenő Rácz, das asiatische Restaurant Quí in der Arany János Straße oder Marci Keves drittes, kürzlich eröffnetes Restaurant 101 NEO, während die italienische Restaurantkette Vapiano seit mehr als 10 Jahren große Gemeinschaftstische verwendet.


















