Regenerative Lebensmittel sind der neueste Lebensmitteltrend im aktuellen Food Report 2024. Er ist vielleicht auch der vielversprechendste - einschließlich seiner Auswirkungen auf das Gastgewerbe. Der Fokus liegt dabei nicht primär auf Lebensmitteln, sondern auf Ackerböden.
Benedikt Bösel, einer der Pioniere der regenerativen Ernährung, beginnt seine Vorträge oft mit dem Hinweis, dass er früher Banker war. Heute ist er ein Betrieb einer Biofarm In Alt Madlitz, Brandenburg. Aus dieser Zeit ist nur noch seine gegelte Kopfbedeckung übrig geblieben, die er meist unter einer umgedrehten Baseballkappe versteckt. Wenn man etwas für die Zukunft tun will, sind drastische Veränderungen nötig - vor allem, wenn die Umstände sehr ungünstig sind.
Gut&Bösel, der 3000 Hektar große land- und forstwirtschaftliche Betrieb von Bösel, liegt im entlegensten Teil von Deutschland. Dennoch sieht der Biobauer in der Nutzung von Land eine Lösung für viele Probleme unserer Zeit, vom Klimawandel über den Verlust der Artenvielfalt bis hin zu Hunger und Chancenungleichheit. Er hat sich der regenerativen Landwirtschaft verschrieben und beliefert über seine Plattform viele Restaurants mit seinen Produkten.

WAS IST REGENERATIVE ERNÄHRUNG?
Doch was verbirgt sich hinter dieser besonderen Form der Landwirtschaft? Wie kann sie den Planeten retten? Und was ist der Zusammenhang mit der Gastronomie? Regenerative Ernährung, also die Lebensmittelproduktion nach den Kriterien der regenerativen Landwirtschaft, ist nicht nur eine Modeerscheinung, sondern vielleicht die vielversprechendste Initiative im Kampf gegen den Klimawandel.
Das Problem ist, dass die Weltbevölkerung wächst, während die Bodenqualität und damit die Menge an fruchtbarem Boden abnimmt. Gesunde Böden werden benötigt, um besser mit dem Klimawandel fertig zu werden, der starke Regenfälle und Dürren verursacht. Genau darum geht es bei der regenerativen Ernährung. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) könnte die Bodenerosion bis 2050 zu einem Verlust von 10 Prozent der weltweiten Pflanzenproduktion führen. Im Gegensatz zu Ernährungstrends wie pflanzliche Mahlzeiten oder die vegan-mania, Bei regenerativen Lebensmitteln geht es nicht darum, was auf unseren Tellern landet, sondern darum, wie es produziert wird.

REGENERATIVE LEBENSMITTEL: NICHT NUR EINE FRAGE DER NACHHALTIGKEIT
Ziel ist es, „den Planeten zu heilen”, indem die Auswirkungen der Landwirtschaft auf den Klimawandel minimiert und die Artenvielfalt gefördert werden. Die regenerative Landwirtschaft setzt daher auf „organische Düngung anstelle von synthetischer Düngung, auf eine Fruchtfolge, die die Artenvielfalt fördert, sowie auf Bodenbedeckung und Durchwurzelung. Anstatt die Ackerböden auszubeuten und große Mengen an CO2 auszustoßen, wird das Gegenteil angestrebt. Mit anderen Worten: Der Boden muss sich regenerieren, widerstandsfähiger und (wieder) produktiv werden. Außerdem sollen große Mengen an Kohlenstoff im Boden gespeichert werden, indem Humus aufgebaut wird - eine der wirksamsten Maßnahmen zum Klimaschutz.

DAS WELTWEITE INTERESSE AN REGENERATIVEN LEBENSMITTELN WÄCHST
Der Trend steckt noch in den Kinderschuhen, was sich vor allem am Fehlen von Normen zeigt. Daher kann der Nutzen für die Umwelt noch nicht konkret gemessen werden. Da jedoch das Interesse sowohl in Europa als auch in Übersee wächst, schließen sich immer mehr Organisationen und Unternehmen auf internationaler Ebene zusammen, wie zum Beispiel Regenerative Bio-Allianz, um sinnvolle, regional anpassbare Standards zu entwickeln. Um dieses Thema weiter voranzutreiben, haben sie eigene Anwendungen wie Foodroots oder Informationsplattformen wie Regeneration Schweiz und Solify entwickelt. Dabei handelt es sich einerseits um eine Vernetzungsplattform für Landwirte und Einkäufer, andererseits wollen sie auch die breite Öffentlichkeit erreichen.

REGENERATIVE LANDWIRTSCHAFT: KLIMASCHUTZ UND ARTENVIELFALT VERBINDEN
Auch die Zahl der Betriebe wie Gut&Bösel, die regenerative Methoden anwenden, steigt. Die landwirtschaftliche Revolution beginnt auch in den Vereinigten Staaten, wo Start-ups und Landwirte ebenfalls versuchen, die Landwirtschaft zu verändern. Will Harris, der White Oak Pastures, einen Familienbetrieb in sechster Generation in Bluffton, Georgia, betreibt, ist einer der Pioniere der regenerativen Landwirtschaft. In Zusammenarbeit mit einem der größten Solarenergieproduzenten des Landes ist es ihm gelungen, Weideland mit Solarzellen zu kombinieren. Dies ermöglicht die Fleischproduktion, während der Kohlenstoff im Boden bleibt und die Artenvielfalt wiederhergestellt wird.
DURCH SPENDEN GUTEN BODEN PRODUZIEREN
Regenerative Lebensmittel sind aber nicht nur eine vielversprechende Lösung im Kampf gegen den Klimawandel, sie sorgen auch für eine Vielfalt an Pflanzenarten, die wir verzehren, und damit für mehr Abwechslung auf unseren Tellern. Das macht regenerative Lebensmittel für die Gastronomie interessant. Zudem halten immer mehr Menschen den Klimaschutz für eines der drängendsten Themen unserer Zeit. Die Kunden wollen deshalb mehr darüber wissen, woher Produkte und Zutaten kommen und wie sie produziert werden. Wenn Gastronomen glaubhaft darlegen können, woher ihre Lebensmittel kommen und dass sie regenerativ und nachhaltig hergestellt wurden, kann das ein Wettbewerbsvorteil sein.











